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Warten auf den Erlöser

Auf einen Erlöser zu warten, das dürfte heißen, sich einer letztlich bequemen Illusion hinzugeben. Also gibt es gute Gründe, für eine bessere Gesellschaft selbst etwas zu tun.

Die Zukunft einer Illusion

"Mit der Laienanalyse wollte F. die Psychoanalyse vor den Ärzten schützen, mit dem 1927 erschienen Buch Die Zukunft einer Illusion vor den Priestern - das schrieb er ganz offen an seinen langjährigen Schüler in der Schweiz, Oskar Pfister, der von Beruf selber protestantischer Pastor war. Die Religion ist eine Illusion , schrieb F.. Eine Illusion ist eine Vorstellung, die aus dem Wunsch gespeist wird, sie sagt noch nichts über ihren Wahrheitsgehalt aus .
Wer aber glaube, dass ein Messias erscheine, die Welt erlöse und das Paradies auf Erden anbreche, der nähere sich dem Wahn."

Demzufolge wäre jemand, der glaubt, der Messias sei bereits erschienen, schon komplett wahnsinnig.
Dass die Quellenlage über Christus nur als schwierig bezeichnet werden kann, weil bei der Überlieferung politische Interessen eingeflossen sind, macht die wissenschaftliche Aufarbeitung etwas schwieirg. Wir dürfen aber annehmen, dass es eine historische Person gegeben hat, die bestimmte Ideen verbreitet hat.
Diese Ideen hatten mit Nächsten- und Feindesliebe, der Einstellung gegenüber Imperatoren/Besatzern und vielem mehr zu tun.
Es ist nicht auszuschließen, dass man damals dachte, ein neues Zeitalter habe begonnen.

Der Mythos vom Messias verdient es vielleicht, etwas ernster genommen zu werden. Zum einen führt er zu teifer Resignation, bei denen, die ihn noch erwarten ("Wird ja doch nichts"), zum Anderen wäre die Idee, die sich hinter dem Mythos verbirgt, zu untersuchen.

Die Idee von einer etwas paradiesischeren Welt muss ja nicht unbedingt irrational sein, die Idee von einer besseren, gerechten Gesellschaft, von Freiheit und Demokratie ist immerhin im weitesten Sinne im Grundgesetz verankert.

 

Spalte 2

Die Erlösung als Abkehr von autoritärem Denken (bei der Vertreibung aus dem Tempel die Entlarvung der korrupten Priester, die ihre Pseudo-Autorität missbrauchten) ist allemal kein altertümlicher, wahnhafter Gedanke.

Wahnhafter als der Glaube an die Macht der Liebe ist wohl der Glaube, einem auserwählten Volk anzugehören.

Historisch mag die Metapher für die Konstituierung des Monotheismus notwendig gewesen sein, aber heute ist es scheußlich anachronistisch, sich persönlich, unter Berufung auf diesen Mythos, für etwas besseres zu halten: Automatisch werden alle Andersgläubigen als Gott-ferner angesehen, und die Lehren ihrer Propheten können nur nebensächlich sein.

Mit der "gleichen Augenhöhe" unter den Religionen ist es dann Essig, und der Dünkel der "Besser-Gläubigen" tarnt sich ähnlich perfekt wie ihre Aggression, die keine echte, sondern nur noch gebrochene Freundschaft zulässt: Aggressiv sind doch immer nur die anderen.

 



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jan. 2009

k.A.